Als die European Challenge Tour 1986 gegründet wird, heißt sie noch „Satellite Tour“, und eine Handvoll Spieler streitet bei wenigen Turnieren um ein paar tausend Pfund Preisgeld. So richtig los geht es dann 1991, als die Tour immer besser organisiert ist und als Zubringer zur European Tour etabliert wird. Damals schon dabei: Alex Cejka und Heinz-Peter Thül. Sie sind die beiden ersten Deutschen, die auf der Challenge Tour gewinnen können. Doch was machen beide eigentlich heute, exakt 30 Jahre später?

„Mein erstes Challenge-Tour-Turnier habe ich eigentlich schon 1988 in Italien gewonnen“, erzählt Heinz-Peter Thül. „Zu dieser Zeit war der Aufbau der Tour aber noch in vollem Gange, deswegen gilt die Neuchâtel Open 1991 in der Schweiz als mein erster offizieller Sieg auf der Challenge Tour.“ Umgerechnet erhielt Thül damals 8130 Euro Preisgeld für seinen Triumph, jedoch war er mit dem Erfolg am 7. Juli 1991 in Saint-Blaise nicht der erste Deutsche, der in diesem Jahr einen Siegerpokal der Challenge Tour in die Höhe recken durfte: Exakt eine Woche zuvor, am 30. Juni, hatte bereits Alex Cejka die Audi Quattro Trophy im GC Starnberg in Bayern für sich entschieden und damit den ersten Sieg eines Mitglieds des Deutschen Golflehrer Verbands, der heutigen PGA of Germany, auf der nun offiziell anerkannten Challenge Tour 1991 gefeiert. Für beide Spieler waren diese Erfolge jeweils der Startschuss für ihre internationalen Karrieren.

Heinz-Peter Thül wird 1980, mit gerade mal 17 Jahren, Professional. In den folgenden Jahren entscheidet er zahlreiche Turniere für sich, gewinnt Deutsche Meistertitel in Serie und auch viele internationale Events. Insgesamt 15-mal nimmt er an der Qualifying School der European Tour teil, die er 1989 als bisher einziger Deutscher gewinnen kann. Viermal triumphiert er in seiner Laufbahn auf der Challenge Tour, ebenso spielt er viermal für Deutschland beim World Cup. Im Jahr 2000, mittlerweile 37 Jahre alt, beendet er seine Spielerkarriere und besteht 2001, nachdem er zuvor parallel zum Turniergolf die Ausbildung absolviert hat, die Golflehrer-Prüfung. In der Folge ist der gebürtige Kölner im Golfclub Am Alten Fliess als Golflehrer tätig, coacht Amateure und Spitzenspieler, und ist in den Anfangsjahren auch als Co-Trainer des von der PGA of Germany installierten Golf Team Germany im Einsatz. Er reist mit dem Team, dem zu dieser Zeit auch Martin Kaymer angehört, nach Spanien und Südafrika und erwirbt sich auch international einen Ruf als Kurzspiel-Guru.

Bereits 2002 wählen ihn seine Kollegen der PGA of Germany zum „PGA Teacher of the Year“, was auch mit seiner Tätigkeit als Trainer seines ehemaligen Challenge-Tour-Genossen Alex Cejka zu tun hat: 2002 coacht er Cejka bei dessen vorerst letztem European-Tour-Erfolg, bei der Trophée Lancôme in Frankreich, ebenso bei der Linde German Masters, wo Cejka mit einem Schlag Rückstand Zweiter wird. Im selben Jahr spielt sich Cejka auf die PGA Tour, teilt bei der U.S. Qualifying School Rang 2. Auch nach der zu dieser Zeit auslaufenden Zusammenarbeit mit Cejka unterrichtet Heinz-Peter Thül weiterhin als Coach, in der Folge insgesamt über 16 Jahre lang im Golfclub Am Alten Fliess in Bergheim-Fliesteden, seinem Heimatclub. Im Mai 2021, inzwischen 57 Jahre alt, wechselt er zum „Golfclub der Lüderich“ in Overath, wo er wieder unterrichtet, Golf-Einsteiger ebenso gerne wie Spitzenamateure und Tourspieler. Tarif: 50 Minuten kosten 60 Euro.

 

Quattro-Trophy und Major-Sieg

Heinz-Peter Thüls ehemaliger Challenge-Tour-Kollege und Schüler Alex Cejka wird am 2. Dezember 1970 im tschechischen Marienbad geboren, flieht als Neunjähriger mit seiner Familie nach Deutschland und spielt auch hier weiter Golf, was ihm sein Opa schon als Kleinkind in Tschechien beigebracht hat. 1989 wird er Golfprofessional und gewinnt in der Folge zahlreiche Turniere auf allen großen Profitouren. 1991 beginnt die Siegesserie mit dem Titel der Audi Quattro Trophy auf der Challenge Tour in Starnberg, 1993 siegt er bei der Audi Open im GC Hamburg-Wendlohe, ebenfalls ein Turnier der Challenge Tour. 1995 feiert Cejka seinen Durchbruch auf der European Tour: Er gewinnt in diesem Jahr die Turespana Masters Open de Andalucia in Spanien, die Hohe Brücke Open in Österreich und sensationell auch das Volvo Masters im spanischen Valderrama. Der Professional, der wegen seiner rundlichen Gesichtszüge den Spitznamen „Chubby“ trägt, hat seither an jedem der vier Majors teilgenommen, in der Saison 1996 sogar an allen in einem Jahr – und er schafft 1996 bei allen den Cut!

Ebenso wie auf der Challenge Tour, wo er 1997 die KB Golf Challenge und 2002 die Galeria Kaufhof Pokal Challenge gewinnt, sichert er sich im Laufe seiner Karriere auch insgesamt vier Siege auf der European Tour. Auf seinen bislang einzigen Triumph auf der PGA Tour muss er viele Jahre warten: Bei seinem 287. Start kann er 2015 die Puerto Rico Open für sich entscheiden, setzt sich im Stechen gegen vier Kontrahenten durch. Kurios: All diese sensationellen Erfolge erreicht er, obwohl er zeitlebens an einer starken Grasallergie leidet, die ihn im Laufe seiner Karriere immer wieder aus der Bahn wirft.

„Das alles ist jetzt schon viele Jahre her, aber Alex hat immer noch großen Erfolg auf der Tour – jüngst hat er zwei Majors bei den Senioren gewonnen“, erzählt sein ehemaliger Trainer Heinz-Peter Thül nicht ohne Stolz. In der Tat war 2021 für Alex Cejka ein sensationelles Jahr voller Überraschungen. Am 2. Dezember letzten Jahres 50 geworden, rutscht er im Mai auf der PGA Tour Champions als zwölfter Nachrücker ins Feld der Regions Tradition – und gewinnt das mit 2,5 Millionen Dollar dotierte Senioren-Major mit einem Birdie im Stechen am ersten Extra-Loch. Ein ähnliches Kunststück gelingt ihm zwei Wochen später bei der KitchenAid Senior PGA Championship, dem zweiten Major-Turnier der Saison, bei dem es insgesamt 3,5 Millionen Dollar zu gewinnen gibt. Er spielt die versammelte Weltelite der Ü50-Golfer an die Wand und entscheidet das Turnier mit 8 unter Par sowie vier Schlägen Vorsprung souverän für sich. Alex Cejka hat damit in diesem Jahr bereits über 1,2 Millionen Dollar Preisgeld gewonnen und schiebt sich unter die Top 15 des Charles-Schwab-Cup-Rankings, der Saisonwertung der PGA Tour Champions, die Corona-bedingt die Turniere der Jahre 2020 und 2021 umfasst.

Kein Leben im Luxus

Trotz seiner großen Erfolge führt der gebürtige Tscheche gemeinsam mit seiner Frau Alyssa nach wie vor kein Leben im Luxus, sondern tourt oftmals mit seinem Wohnmobil von Turnier zu Turnier und übt sich in Bescheidenheit – wie schon damals auf der Challenge Tour.

Heinz-Peter Thül und Alex Cejka – zwei Beispiele, die zeigen: Viele der „Großen“ haben einst auf der Challenge Tour angefangen, und so wie 1991 für die beiden Deutschen, kann 30 Jahre später auch die Big Green Egg German Challenge by VcG des Jahres 2021 für junge Professionals der Türöffner und der Start zu einer großen Golfkarriere sein. „Für die einen ist es eine gute Möglichkeit, um überhaupt an einem derart großen Turnier teilzunehmen, für die anderen, die etwas erfolgreicheren Spieler, ist die Challenge Tour eine Chance, durch gute Platzierungen Preisgeld zu gewinnen und sich in der Rangliste weiter zu verbessern“, so der ehemalige Playing Professional und heutige Coach Heinz-Peter Thül. „Ich denke, dass ein Challenge-Tour-Turnier ein ganz wichtiges Sprungbrett für alle jungen Spieler ist. Die Tour schließt die Lücke, die zwischen der Pro Golf Tour, der heutigen Satellite-Tour, und der European Tour, die das Ziel jedes jungen Tourspielers ist, besteht. Deswegen ist die Challenge Tour elementar, und deswegen ist es so wichtig, dass wir auch 30 Jahre nach dem Start dieses Sprungbretts wieder regelmäßig Turniere der Challenge Tour auch in Deutschland haben.“

 

 

Steckbrief Heinz Peter Thül

Name: Heinz Peter Thül

Geburtstag: 23. Juli 1963

Geburtsort: Köln

Nationalität: Deutsch

Familienstand: ledig

Mitglied der PGA of Germany seit 1. August 1980

Aktueller Club: Golfclub der Lüderich, Overath

Hobbies: Städtereisen, Sport, Fußball

Stationen:

–                erster Titel mit 17 Jahren (Deutscher Jugendmeister)

–                Teilnahme an mehr als 350 nationalen & internationalen Turnieren

–                „PGA Teacher of the Year 2002“

–                sechs deutsche Meistertitel

–                vier Challenge-Tour-Siege

–                Sieg bei der Qualifying School der European Tour 1989

–                sieben Teilnahmen am „Alfred Dunhill-Cup“

–                vier Teilnahmen am „World-Cup“

 

© Stefan Heigl

 

Steckbrief Alex Cejka

Name: Alexander Cejka

Geburtstag: 2. Dezember 1970

Geburtsort: Marienbad (Tschechien)

Nationalität: Deutsch

Familienstand: verheiratet

Mitglied der PGA of Germany seit 23. März 1989

Heimatclub: Münchener Golfclub

Hobbies: Angeln, Eishockey

Stationen:

–                1991 erster Sieg auf der Challenge Tour

–                1995 Durchbruch auf der European Tour mit drei Siegen

–                ab 2002 Mitglied der PGA Tour

–                1996 Cut bei allen vier Majors

–                2015 erster Sieg auf der PGA Tour

–                2021 zwei Major-Siege auf der PGA Tour Champions